Grimme-Preis für den Postillon!

Wow. Der Postillon ist ja an sich schon die beste Satire-Seite im Netz und hat meiner Meinung nach sein Vorbild The Onion längst überholt. Aber was sie jetzt geschaffen haben, ist absolut Grimme-Preis-verdächtig.

Heute Nachmittag wurde über sämtliche Kanäle getickert, dass Ronald Pofalla in den Vorstand der Deutschen Bahn wechselt. Das ist an sich schon recht gute Satire, da er vor kurzem erst angekündigt hat, sich mehr aufs Private zu konzentrieren. Ursprung der Meldung war die Saarbrücker Zeitung. Der Postillon hat nun vor ein paar Stunden einen Artikel veröffentlicht, der genau das gleiche aussagt, hat ihn aber auf gestern zurückdatiert. Und jetzt schreien alle auf, dass sämtliche Medien auf diese Fakemeldung reingefallen sind. Dabei ist es genau umgekehrt – der Postillon führt seine eigenen Leser an der Nase herum. Und wie man auf Twitter und Facebook sehen kann, klappt das wunderbar.

Faszinierend, erschreckend und auf alle Fälle absolut großartig. Chapeau, Postillon!

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Bullshit rising

Das Internet ist kaputt. Und das nicht nur dank NSA, GCHQ, BND und wer da sonst noch alles schnüffelt. Auch wegen einer Krankheit, die sich seit ein paar Monaten im Netz ausbreitet: Overlays, die beim Aufruf einer Website auftauchen, den Content verdecken und um Facebook Likes, Newsletteranmeldungen oder sonstigen Bullshit betteln. Vor ein paar Tagen machte deshalb völlig zu Recht der Tumblr Tab Closed, Didn’t Read die Runde. Andy Beaumont fasst es dort äußerst treffend zusammen:

If you’re going to insist on obscuring your content with some stupid social shit, a promo for your shitty app or a full-page newsletter signup form, then I’m not going to read your content. Or click on your ads. Or help you generate revenue in any way.

Aber das ist nur die Spitze des Bullshit-Eisberges. Andy führt das in einem Gastbeitrag auf medium.com noch etwas aus und spricht dabei auch das andere Geschwür an, welches das Internet immer mehr auffrisst: Buzzfeed, Upworthy und andere Seiten, die durch ihre Posts ausschließlich Klicks generieren wollen, ohne dabei nachzudenken, was sie da ins Netz pulvern. Es ist lediglich “ein Strom von Clicks auf emotionale Trigger”. 53 Wege deine Besuchenzahlen zu verdoppeln. Bullshit. Braucht kein Mensch. Passend dazu der Twitter Rant von René, welcher glücklicherweise auf fakeblog.de für die Ewigkeit festgehalten wurde. Welche Daseinsberechtigung haben Blogs, die ungefiltert dieselben Sachen posten, die vor ein paar Stunden auf Reddit (oder 9gag für die uncoolen Leute) der heiße Scheiß waren? Brad Frost bringt es in seinem Vortrag recht gut auf den Punkt.

We as creators have a decision to make. Do we wanna be part of the 90% of noise? Or do we wanna be part of the 10% of signal?

Ergänzend dazu sei noch der hervorragende Vortrag von Mike Monteiro ans Herz gelegt. Er lässt sich über schlechte Designentscheidungen aus und was das für Auswirkungen für Dritte haben kann. Design passiert nicht einfach so, es ist eine bewusste Entscheidung. Das gleiche gilt für Content. Und für alles andere.

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Als MTV noch Musikvideos zeigte #5

Tool – Parabola

Ich kann nicht mehr sagen, was mich anfangs bei Tool am meisten begeistert hat. Die extrem surrealen Stop-Motion-Musikvideos oder dieser unglaublich ausgetüftelte und abwechslungsreiche Progressive Metal, den mein 18jähriges Ich bis dahin noch nicht gehört hatte. Die Großartigkeit der Band lässt sich jedenfalls bei beidem erkennen. Und meine Fresse: es sind schon wieder über 7 Jahre seit dem letzten Album. Goddamnit.

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Zappin’ and clappin’

Offenbar ist gerade die Zeit der großartigen Musikvideos angebrochen. Vor 2 Tagen hat Bob Dylan zu seinem Klassiker “Like A Rolling Stone” dieses Meisterwerk veröffentlicht:

Bob Dylan - Like A Rolling Stone
Bob Dylan – Like A Rolling Stone

Und jetzt folgt Pharrell Williams mit ‘nem ähnlichen Kunststück:

Pharrell Williams - 24 hours of happy
Pharrell Williams – 24 hours of happy

Ich könnte das tatsächlich problemlos 24 Stunden am Stück hören. Mehr davon!

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What happened?

Ich wollt ma wieder etwas bloggen, aber bevor ich mir ein Thema rausgreife, kommt erst mal eine kommentierte Linkschleuder mit Sachen, die mir in den letzten Tagen / Wochen / Monaten so begegnet sind.

Tools

Firefox Australis

Der kleine Panda von Mozilla bekommt in den Nightly Builds ein UI Update (“Australis”), wodurch Firefox danach so ziemlich wie Chrome ausschaut. Gefällt mir persönlich sehr, insbesondere da ich als jahrelanger Chrome Nutzer gerade wieder zu Firefox gewechselt bin. Googles Browser entwickelt sich meiner Meinung nach seit ‘ner Weile nicht mehr voran, im schlimmsten Fall eher sogar zurück.

TeamDrive & BitTorrent Sync

Nach den NSA-Enthüllungen brauchte ich ein paar Alternativen zu den US Cloudanbietern (Dropbox, Google Drive, etc.) und bin zunächst eine Weile mit Wuala und Boxcryptor als zusätzliche Verschlüsselung gefahren. Wuala hat allerdings einen fürchterlichen Windows Client und bei Boxcryptor ist man in der kostenlosen Version auf 2 registrierte Geräte beschränkt. TeamDrive ersetzt die beiden mehr als würdig. Zwar nur 2GB kostenloser Speicher, aber dafür 256bit end-to-end Verschlüsselung und EU-Server (bzw. kann man sogar seinen eigenen Server nutzen).
Für die Datensynchronisation (ohne Cloud!)  zwischen Desktop Rechner und Laptop hab ich bisher Cubby verwendet. Deren DirectSync Feature gibt’s mittlerweile aber nur noch in der Pro Version. BitTorrent Sync erledigt den Job mindestens genau so gut und verschlüsselt die Datenübertragung außerdem noch.

Ob das tatsächlich was bringt, sei dahingestellt. Die beste Alternative wäre wahrscheinlich eh seine eigene Cloud zu bauen. Das mache ich auch… später…

Webentwicklung

Adobe Edge

Bleiben wir noch kurz bei den Tools. Ich bin vor kurzem auf Adobes Web Development Suite Edge aufmerksam geworden. Die Programme sind losgelöst von der Creative Suite und in Zukunft wahrscheinlich ausschließlich über Adobes Creative Cloud zu beziehen. Insbesondere Edge Animate hat mich interessiert – Animationen im Browser mit dem Interface von After Effects. Sah spannend aus. Nach ein bisschen Rumprobieren werden die Animationen aber wohl leider nicht mit CSS3, sondern mit JavaScript umgesetzt. Nichtsdestotrotz ein praktisches Werkzeug und ich werde mir auch noch den Rest der Suite genauer anschauen.

Sass

Durch meinen neuen Job bin ich zum ersten Mal mit Sass in Berührung gekommen. Sass ist ein CSS-Preprocessor, der — neben vielen anderen Sachen — die Verwendung von Variablen innerhalb von CSS ermöglicht. Passenderweise erschien vor ein paar Tagen ein Kompendium zu Sass, von dem das erste Kapitel auch online verfügbar ist. Ich werd das privat mit Sicherheit auch bald testen.

Ressourcen

Seiten, die ich in letzter Zeit sehr zu schätzen gelernt habe: A List Apart, Elmastudio (gerade bzgl. WordPress), CSS-Tricks und Smashing Magazine. Alles hochklassiger Content über den aktuellen Stand des Webs.

Musik

Darf natürlich nicht fehlen. Meine Perlen der letzten Monate:

Surreal & The Sound Providers

Gefunden durch dieses nette Video und danach am ganzen Album hängengeblieben. Vielleicht sind’s die ungewohnten Jazz-Elemente oder weil’s einfach so sehr an Tony Hawk’s Pro Skater erinnert. Da ich mich mit Hip-Hop generell etwas schwer tue, bin ich über jeden Künstler erfreut, der nicht nach Standard EastCoast-WestCoast-Blahcoast-Bullshit klingt.

Oliver Schories

Ich hab den Eindruck, dass alles, was der Herr anfasst, zu Gold wird. Elektronisches Tech House Gold. Sein zweites Album “Exit”, was dieses Jahr rauskam, ist noch mal um einiges besser als der Vorgänger. Zusätzlich kann man auf seinem sehr gepflegten YouTube Channel noch den ein oder anderen genialen Remix anhören. Als wär das nicht genug, macht er auch noch hervorragende DJ-Sets.

Moderat

Ihr Zweitwerk ist wahrscheinlich das chilligste Album, was ich 2013 auf die Ohren bekam. Allein Therapy ist zum Dahinschmelzen.

2:54

Kenn ich schon ‘ne Weile, aber bisher hat jeder, dem ich das vorgespielt habe (also in erster Linie meine Mitfahrer…), nachgefragt, wie diese nette Band mit dem eigenwilligen Namen heißt. Zurecht. Sehr angenehmer Shoegaze / Dream Pop, ohne gleich super melancholisch zu werden.

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46 & 2

Nein, das sind nicht die Ergebnisse von CDU/CSU und FDP bei der Bundestagswahl, wenn auch ziemlich nah dran. Vielmehr ist es ein Track von Tools Überalbum Ænima, was jetzt eine sehr würdige Coverversion von einer Schülerband spendiert bekommen hat:

Tool — die Band mit den abgedrehten und fast schon verstörenden Musikvideos, deftigen Progressive Metal Riffs und Lyrics über Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Und dann kommt da so ein 10jähriges Stimmchen daher und lässt Maynard für einen Moment ganz alt aussehen. Aber auch der Rest der Band ist großartig, insbesondere der Drummer.

Zum Vergleich noch mal das Original:

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You’re so Vine!

Vine Videos entsprechen gerade genau meiner Aufmerksamkeitsspanne und erst recht meinem Humor.

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John McAfee doesn’t give a fuck

Der Typ ist definitiv komplett irre, aber irgendwie die coole Art von irre. Vor ‘nem halben Jahr erst seine Flucht aus Belize, die er detailverliebt und selbstdarstellerisch auf seinem Blog dokumentiert und nun erklärt er uns wie man das Antivirenprogramm deinstalliert. Koks & Nutten!

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Als MTV noch Musikvideos zeigte #4

Unkle – Rabbit in Your Headlights

Dieses Video. Zusammen mit Thom Yorkes fragiler Stimme. Und diesem Ende. Grenzenlose Gänsehaut.

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Überall Terroristen

Das Bekanntwerden von PRISM, dem “Vorzeigeprogramm” der National Security Agency (NSA) ist der größte Politikskandal, den ich bewusst miterlebe. GuttenPlag? Peanuts. CableGate und Colleteral Murder? Geschenkt. Das Ausmaß von PRISM ist dem jetzt schon mindestens ebenbürtig und dabei sehen wir gerade einmal die Spitze des Eisberges.

Was bisher geschah
Am 06.06.2013 berichtete der Guardian darüber, dass der amerikanische Telekommunikationsanbieter Verizon auf Anordnung des Foreign Intelligence Surveillance Court die Telefonate aller Kunden überwacht und diese Informationen dann an die NSA weitergeben muss… täglich. Somit wird jeder unter Generalverdacht gestellt. Dieser Beschluss wird routinemäßig(!) alle 90 Tage erneuert und soll bereits 2006 zum ersten Mal angeordnet worden sein. Das Perfide für Verizon: der richterliche Beschluss sieht auch vor, dass das Unternehmen zum vollständigen Schweigen gezwungen ist. Der Autor des Artikels, Glenn Greenwald, deutet an, dass auch andere Anbieter einer solchen Anordnung unterliegen könnten. Beweise gebe es dafür aber bisher nicht.

Einen Tag später am 07.06.2013 legten sowohl die Washington Post als auch der Guardian ein umfangreiches Überwachungsprogramm der USA mit dem Codenamen PRISM offen. Mit an Bord sind (ob freiwillig oder nicht) Facebook, Google, Apple, Microsoft und noch ein paar andere prominente Namen. Das sieht nicht mehr “nur” die Überwachung von Telefonaten vor, sondern schlicht von allem — Chats, Emails, Datentransfer. Facebook und Google wissen alles über uns? Die NSA weiß noch mehr. Und sie sollen direkten Zugriff auf die entsprechenden Server haben.

Die “Legitimation” dafür bietet der Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA), was gleichzeitig heißt, dass nur Nicht-Amerikaner außerhalb der USA überwacht werden dürfen. Ob davon jetzt jemand unter irgendeinem Verdacht steht (populärerweise natürlich Terrorverdacht), sollte aufgrund der Vorgeschichte mit Verizon schnurz sein. Und nehmen wir doch mal kurz die rosarote Brille ab. Natürlich wird das Programm auch bei US Bürgern eingesetzt. Kurzum: die NSA schnüffelt weltweit ohne irgendeine Einschränkung.

Die betroffenen Firmen geben sich unwissend. Apple habe noch nie von PRISM gehört. Facebook und Google weisen die Vorwürfe, dass FBI/NSA direkten Zugriff auf ihre Server haben, vehement zurück und damit sagen sie vermutlich sogar (teilweise) die Wahrheit. Gleichzeitig täuschen sie jedoch auch die Öffentlichkeit, denn sie sollen eigene Portale — ähnlich eines Postfachs — entwickelt haben, auf denen sie die angeforderten Daten bereitstellen, quasi als Zwischenablage. Erst nach Prüfung der richterlichen Anordnung sollen die Daten dann auch der NSA freigegeben werden. Diese Theorie bricht allerdings in sich zusammen, nachdem der Guardian einen weiteren Ausschnitt der PRISM Präsentation veröffentlicht hat, welcher klar belegt, dass die NSA sehr wohl direkten Zugriff hat.

Am Sonntag gab der Guardian dann den Namen seiner Quelle auf dessen eigenen Wunsch preis: Edward Snowden. Zusätzlich gibt’s ein 12-minütiges Video mit dem Whistleblower, der nach Hong Kong geflüchtet ist. Er beschreibt noch mal sehr deutlich das erschreckende Ausmaß von PRISM. Ich hoffe, dass es ihm besser ergeht als gerade Bradley Manning.

Natürlich verteidigt die US-Regierung ihr Handeln, pocht darauf, dass es legal sei und holt sogar gegen die Presse wegen der “leichtfertigen” und “unverantwortlichen” Darstellung aus. Der Zynismus ist kaum zu übertreffen.

Was bedeutet das jetzt?
Haben wir bald die Dystopie von George Orwells 1984 erreicht? Nein, wir sind schon mittendrin. Wer des Weiteren glaubt Obama sei in irgendeiner Weise besser als Bush: nope. Vielleicht zettelt er nicht mehr so viele Kriege an, aber auch nur, weil er beim Militärbudget massiv sparen muss. Dafür zeigt er sich eben in anderen Bereichen für unglaubliche Sauereien verantwortlich.

Denn selbst wenn man nichts illegales macht, wird man dennoch überwacht. In den USA, in Europa, vermutlich weltweit. Dann bekommt man vor der Einreise in die USA schon mal seine letzten Facebook Nachrichten vorgelegt. (Gut, was für Regelungen für Au Pair gelten und ob das somit tatsächlich illegal ist, weiß ich nicht. Aber Verhältnismäßigkeit, hallo?) Man echauffiert sich über die totalitären Methoden eines Ahmadinejads und übersieht, dass die USA schon längst einen eigenen Überwachungsstaat am Laufen haben. Demokratien werden nicht nur in der Türkei und in Ungarn unterwandert, auch “fortschrittliche” westliche Länder sind mittlerweile darin sehr geübt. PRISM wird zur Abwehr von Terror eingesetzt — dabei schürt es den Terror von innen. Und dagegen gilt es anzukämpfen. Denn dies ist kein amerikanisches Problem, sondern ein globales.

Zusätzliche Links

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